Früher war in unserer Gegend alles
anders. Durch das Tal strömte ein mächtiger Fluss,
der am Fuß des Snežnik entsprang. Von den Brkini
und der Vremšèica flossen wasserreiche Bäche zu.
Das Flussbett verlief über Gabrk und bei Povir
hinunter in den Karst. Das Wasser ergoss sich über
den ganzen Karst. In der Nähe des heutigen Brestovica
mündete es in die Adria. Da der Fluss viel Wasser
führte, wurde er Reka (Fluss) genannt.
In jener Zeit fuhr ein wundersames Gefährt durch
unsere Gegend. Das gewaltige, eiserne Fuhrwerk
raste jeden Tag durch das Vreme-Tal. Es wurde
von schönen, schwarzen, feurigen Pferden gezogen.
An den Dörfern flog es wie ein Blitz vorbei.
Die Pferde schnaubten, und ihre Mähnen waren
feurig. Auch der Atem, der aus ihren Mäulern
entwich, war lebendiges Feuer. Tag für Tag, Jahr
für Jahr und Jahrhundert für Jahrhundert schoss
das Fuhrwerk mit den Pferden auf dem gleichen
Weg vorbei. Unter den Rädern und unter den Pferdehufen
flogen die Funken. Die Menschen traten zur Seite
und zitterten, bis es an ihnen vorbei war. Wenn
es an den Dörfern vorbeiraste, getrauten sich
die Menschen kaum auf die Straße. Doch das Fuhrwerk
hat nie einem Menschen etwas zuleide getan. Wenn
es zufällig jemandem auf der Straße begegnete,
erhoben sich die Pferde einfach in die Luft und
flogen über ihn hinweg.
Einmal geschah es, dass der Teufel aus der Hölle
in unsere Gegend kam. Er betrachtete das Fuhrwerk,
und es kam ihm in den Sinn, mit ihm zu rasen.
Einmal wartete er bei Bitnja auf es. Zuerst rannte
er neben den Pferden, dann schwang er sich auf,
sprang auf den Wagen, ergriff die lange Peitsche
und begann die feurigen Pferde zu peitschen.
Die Pferde wurden wild, und das Fuhrwerk schoss
durch das Tal. Es grub einen tiefen Kanal, durch
den die Reka zu strömen begann. Die Reka erhielt
ein neues Flussbett. Der Kanal, den das Fuhrwerk
grub, war tief. Von Škoflje hinunter maß er mehr
als 100 Meter in der Tiefe. Unterhalb von Škocjan
erhoben sich die Pferde in die Luft. Der Teufel
drosch auf ihre Rücken ein, sodass die Pferde
wieder zum Fluss hinunter jagten. Sie wirbelten
im Kreis und hinterließen die große runde Höhle
Okroglica. Das Fuhrwerk wollte den Teufel abschütteln
und bohrte deshalb einen großen Tunnel in den
Fels. Aber der Teufel hielt sich an ihm fest
und fiel nicht herunter. So wühlte sich das Fuhrwerk
durch die Felsen und kam beim Meer wieder heraus.
Hinter seiner Spur schoss das Wasser der Reka.
Der Teufel hatte bei der Raserei seinen Heidenspaß.
Deshalb saß er immer auf, wenn sich das Fuhrwerk
auf den Weg machte, und raste. Bei Škocjan lenkte
es der Teufel in die Höhle hinein und raste mit
ihm bis zum Höllentor.
Source: Jasna Majda Peršolja,
Škocjanski kaplanci, Škocjan, TD Škocjan, 2006,
pg. 38–39.
Written down following the narration of Stanko Šuman, Kuntov from Betanja
(1925-2005).
Translated by Ana Jelnikar
and Barbara Siegel Carlson.
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