Die Höhlen
von Škocjan stellen ein einzigartiges, von der
Reka geschaffenes Naturphänomen dar. Die Reka
entspringt am Fuß des Snežnik und fließt ca.
55 km oberirdisch. Wenn sie die Karstlandschaft
Kras erreicht, ein aus Kalkstein bestehendes
Gebiet, vertieft sie ihr Flussbett nicht nur
mechanisch durch Erosion, sondern auch durch
Korrosion, indem sie den Kalkstein löst. Im ersten
Abschnitt ihres Laufs durch den Karst fließt
sie noch oberirdisch und verschwindet nach einer
ca. 4 km langen Schlucht, die in einer mächtigen
Wand endet, in den Untergrund. Das Rekatal ist
das größte Blindtal in Slowenien. Ca. 200 m vom
Ponor (Schwinde) stürzte in ferner Vergangenheit,
vermutlich im Jung-Pleistozän, d. h. vor mehreren
100 000 Jahren, die Decke über der Höhle ein.
Es entstanden die beiden Einsturzdolinen Velika
dolina (bis 165 m tief) und Mala dolina (120
m tief), die durch eine Naturbrücke, den Überrest
der ursprünglichen Höhlendecke, voneinander getrennt
sind. Über den Höhlen, zwischen der Wand oberhalb
des Ponors und den Wänden der Mala dolina liegt
das Dorf Škocjan. In unmittelbarer Nähe der Häuser
befindet sich ein weiterer Eingang in den Untergrund,
die 90 m tiefe Schachthöhle Okroglica, die knapp
oberhalb der unterirdischen Reka endet.
Querschnitt der Höhlen von
Škocjan
In der Sohle der Velika dolina
verschwindet die Reka endgültig im Untergrund und
kommt 34 km weiter, in den Quellen des Timavo,
unweit der Adriaküste, wieder zum Vorschein. Der
Abschnitt der Höhlen von Škocjan, durch den die
Reka fließt – die Rauschende Höhle – ist eigentlich
eine ca. 3,5 km lange, 10–60 m breite und über
100 m tiefe unterirdische Schlucht. Die Höhlengänge
sind insgesamt ca. 6 km lang, der Höhenunterschied
zwischen dem am höchsten gelegenen Eingang (Okroglica)
und dem niedrigsten, Zugang bietenden Punkt in
der Höhle – dem Abflusssiphon – beträgt 205 m.
An einigen Stellen verbreitert sich die Schlucht
zu unterirdischen Hallen, die größte – die Martel-Halle
– ist 308 m lang, durchschnittlich 89 m breit (größte
Breite 123 m) und durchschnittlich 106 m hoch,
der höchste Punkt der Decke beträgt 146 m über
dem Flussbett der Reka. Die Fläche des größten
Querschnitts dieser Halle misst 12 000 m2 und ihr
Volumen 2,2 Mio. m3.