Flora und Fauna

Die Höhlen von Škocjan sind ein schon lange bekanntes und auch erforschtes Naturdenkmal und stellen aufgrund des stark gegliederten Karstreliefs und der artenreichen Pflanzen- und Tierwelt ein einzigartiges Gebiet dar.
In den Einsturzdolinen und deren Umgebung leben seltene und bedrohte Vogelarten, mehrere Fledermausarten, erhalten ist ein bemerkenswertes, geomorphologisch und mikroklimatisch bedingtes Ökosystem. Im Karstuntergrund sind sowohl in den trockenen als auch wasserführenden Höhlenteilen zahlreiche Höhlentiere zu finden.

Eine botanische Beschreibung der Höhlen von Škocjan gab Marchesetti bereits 1887 in seinem Höhlenführer. Die Geobotaniker waren in den tiefen Einsturzdolinen von den zahlreichen kühleren, alpinen Zonen überrascht, während sie in deren Nähe ebenso viele thermophile, submediterrane Pflanzenarten beobachteten. Der Park ist Standort einiger endemischer, seltener oder bedrohter Pflanzenarten, z. B. des Efeu-Sommerwurzes, von Justins Glockenblume.

Die Einzigartigkeit der Flora in der Velika dolina wird in einem (relativ) gemeinsamen Vorkommen von Pflanzen deutlich, die Relikte aus früheren Perioden sind. Glaziale Relikte (eiszeitliche floristische Restbestände) wie Aurikel und Krusten-Steinbrech finden sich gehäuft in der Sohle der Einsturzdoline, knapp über dem Ponor der Reka. Ungefähr 40 m höher, an der Decke des Eingangs der Schmidlhalle, gedeihen thermophile (warme Temperaturen bevorzugende) Relikte wie Venushaar und die Moosart Tortella flavovirens. Das gemeinsame Vorkommen derart gegensätzlicher Relikte ist in der Natur sehr selten.

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Unter den Vögeln in der Velika dolina und Mala dolina sind Felsentauben zu beobachten, die in Schwärmen umher flattern und direkt unter der Decke der Eingangshallen der Höhlen nisten. Dort nistet auch eine Kolonie des weniger bekannten Alpenseglers. An den Felswänden der Einsturzdolinen finden auch Uhu, Wanderfalke und Kolkrabe ein zeitweiliges Quartier und einen Nistplatz. Die Steilwände bieten dem bunten Mauerläufer, einer sonst alpinen Art, ein Winterquartier. Die Verflechtung vielfältiger Habitate im Park zeigt sich im Vorkommen zahlreicher Arten von Wald- und Wiesenvögeln.

In den Höhlen sind große Kolonien von Fledermäusen zu finden, beispielsweise die Langflügelfledermaus, die zwischen den Höhlen von Škocjan und Predjama wandert, und die Langfußfledermaus, die auch in den Höhlen von Škocjan in großer Zahl vorkommt.

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Leben im Untergrund

Welche Lebensbedingungen herrschen im Untergrund?
Im Untergrund herrscht dauerndes Dunkel, was zur Folge hat, dass im Untergrund auch keine grünen Pflanzen zu finden sind, die oberirdisch organische Nahrung produzieren. Nahrung gelangt nur in Form organischer Rückstände von der Oberfläche in den Untergrund, jedoch in winzigen Mengen. Der Untergrund ist also sehr nahrungsarm. Ein so geschlossener Raum hat aber auch eine positive Seite. Es ist ein Vorurteil zu glauben, dass es in den Höhlen kalt sei; es gibt dort wohl keinen Sommer, aber auch keinen Winter, die Temperatur ist stabil und durchschnittlich. Und die Luft ist stets feucht, was für die Höhlentiere vorteilhaft ist.

Und welche Tiere leben im Untergrund?
Den Lebensbedingungen entsprechend ist die Fauna im Untergrund natürlich viel ärmer als oberirdisch, die landlebenden Höhlentiere sind alle klein und kaum einen Zentimeter lang. Unter diesen überwiegen Käfer wie Schmidts Höhlenlaufkäfer, der aasfressende Schlankhalskäfer und dessen noch kleinere Verwandten. Spinnen und Pseudoskorpione sind im Untergrund mit relativ vielen Arten vertreten, und die schneeweiße Höhlenassel zählt zu den am häufigsten anzutreffenden Troglobionten (echten Höhlentieren).
Ähnlich verhält es sich in den Höhlengewässern, nur dass hier der schon riesig zu bezeichnende Grottenolm lebt, der eine Körperlänge von über 20 cm erreichen kann. Sonst überwiegen verschiedene Krebse (1 mm große Ruderfußkrebse, 1 cm große Höhlenwasserasseln und Höhlenflohkrebse).
Im Wasser der in die Höhlen von Škocjan tretenden Reka sind die Ringelwurmart der Wenigborster, die Ruderfußkrebsart der Hüpferlinge und vor allem Wasserlarven zahlreicher Insekten, insbesondere von Eintagsfliegen und Zuckmücken zu finden, die die echten Höhlentiere verdrängen.
In den Ablagerungen und im Guano leben Milben, Springschwänze, troglophile (dem unterirdischen Lebensraum zum Teil angepasste) Spinnen und Höhlenschrecken. Durch Filterung des Regenwassers wurden in den Eingangsteilen der Höhlen von Škocjan 23 Arten winziger Ruderfußkrebse gefunden.
Geographische und historische Umstände haben es mit sich gebracht, dass mit der Erforschung der Höhlenfauna im slowenischen Karst, im weiteren Gebiet von Postojna, begonnen wurde. Das erste, 1758 wissenschaftlich beschriebene echte Höhlentier war der Grottenolm (Proteus anguinus), dem 1832 der Schlankhalskäfer (Leptodirus hochenwartii) folgte. Erst später wurden Höhlentiere auch anderswo gefunden.
Heute weiß man, dass Slowenien mit ca. 200 Arten eine der artenreichsten landlebenden Höhlenfaunen und mit 200 Arten die weltweit artenreichste wasserlebende Höhlenfauna besitzt (natürlich im Verhältnis zu ähnlich großen Gebieten). Werden wir dieses Erbe zu schützen verstehen?

Quellen:

Slapnik, Rajko, 2002: Flora in favna (Flora and Fauna), Škocjan Caves Monograph, published by the Škocjan Caves Park, pp. 78-84;
Sket, Boris, 2005: Življenje v podzemlju (Life in the Underground), accompanying text in the museum collection at the Delez Homestead;
Pipan, Tanja, 2005: Podzemeljska favna Škocjanskih jam (Škocjan Caves Subterranean Fauna), accompanying text in the museum collection at the Delez Homestead.