Archäologie

Das Gebiet der Höhlen von Škocjan und deren nähere Umgebung zeichnet sich durch zahlreiche bedeutende Ausgrabungsstätten aus, deren Funde bis 5000 Jahre zurückreichen, was von einer überregionalen Bedeutung des Gebiets von Škocjan in der fernen Vergangenheit zeugt.
Zu den wichtigsten Fundstellen zählen die Höhle Mušja jama, das Gräberfeld unterhalb von Brežec, die Höhle Okostna jama, die befestigte vorgeschichtliche Siedlung Škocjan und die Höhle Tominčeva jama. Das letzte vorchristliche Jahrtausend ist in Škocjan durch hervorragende archäologische Funde gekennzeichnet, für die im breiteren Raum kaum Vergleichbares zu finden ist und die mit Kulthandlungen in Zusammenhang gebracht werden können, die höchstwahrscheinlich die Triebkraft des Wohlstands der Bevölkerung dieses Gebietes darstellten.

In dem Gebiet in unmittelbarer Nähe von Škocjan und des Verschwindens der Reka in den Untergrund liegen über 30 Ausgrabungsstätten, vor allem Höhlen, von denen einige der bedeutendsten hervorzuheben sind.

Die archäologischen Funde in den Höhlen Tominčeva jama und Roška špilja sind der Kupfer- und frühen Bronzezeit (etwa 3000–1700 v. Chr.) zuzurechnen und erfordern zweifelsohne eine moderne Evaluierung. Dies gilt insbesondere für die Kupferaxt und den Kupferdolch mit Griffplatte aus der Tominčeva jama, die keine üblichen Siedlungsfunde dieser Zeit darstellen. Das heutige Verständnis der funktionellen Verwendung der Tominčeva jama tendiert dazu, deren Rolle als Kultstätte schon seit den ersten Spuren des Menschen in diesem Gebiet anzusetzen.

Die Höhle Velika jama na Prevali bzw. Mušja jama ist ein über 50 m tiefer Schacht südlich von Škocjan. Im Schuttkegel am Schachtboden befand sich eine Fülle überwiegend bronzener und einige wenige eiserne, meist zerbrochene Gegenstände, von denen einige aufgrund der starken Feuereinwirkung auch teilweise geschmolzen waren. Unter den über 1000 Gegenständen überwiegen Waffen. Besonders zahlreich sind Lanzenspitzen, häufig sind auch Tüllenbeile, Schwerter, Helme und Fragmente von Bronzegefäßen. Die Gegenstände werden in die Zeit zwischen dem 12. und 8. Jh. v. Chr. datiert und sind offensichtlich Überreste von Opferungen und Kulthandlungen, die von den damaligen Bewohnern über der Mušja jama vollzogen wurden. Bei einigen Gegenständen kann ein mediterraner und bei zahlreichen anderen ein pannonischer Ursprung vermutet werden. Über der Mušja jama existierte somit in dem genanten Zeitraum eine Kultstätte von überregionaler Bedeutung, die von der ungarischen Tiefebene bis Zentralitalien reichte. Der Wohlstand der Stammesverbände, die in jener Zeit Škocjan und dessen Umgebung besiedelten, lässt sich somit durch die Kontrolle erklären, die diese über eine so bedeutende Kultstätte hatten.

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Unter den Gräberfeldern aus dieser Zeit ist jenes unterhalb von Brežec mit 325 Brandgräbern am bedeutendsten. Von den älteren Gräbern aus dem 11. und 10. Jh. v. Chr. sind einzelne eiserne Gegenstände (Klinge, Beil) zu nennen, die hier 200 Jahre vor der allgemeinen Verbreitung des Eisens in Mitteleuropa auftreten! Die meisten Gräber unterhalb von Brežec werden in das 9. und 8. Jh. v. Chr. datiert. Eine außergewöhnliche Beigabe in den männlichen Gräbern stellen Schwerter dar, die sonst in jener Zeit sehr selten in den Gräbern zu finden sind.

Während der Eisenzeit ist die Bedeutung von Škocjan vermutlich etwas zurückgegangen, da die Spuren des Menschen nach dem 7. Jh. v. Chr. seltener werden. Das Leben ist aber hier offensichtlich nicht ganz verschwunden, was ein Grab mit einer keramischen gerippten Situla mit Fuß aus dem 6. Jh. v. Chr. und insbesondere einige herausragende Funde wie der Schatzfund von Škocjan – ein Depotfund mit zahlreichen Schmuckgegenständen wie Halsketten, Armreife, Anhänger und Bernsteinperlen aus der Zeit um 400 v. Chr. – beweisen, die an der südlichen Umfassungsmauer der befestigten Siedlung von Škocjan zufällig entdeckt wurden.


Ein anderer, zeitgleicher Fund von großer Bedeutung stammt aus der Okostna jama. Am oberen Rand einer Bronzesitula aus einem der dortigen Gräber ist mit frühvenetischen Buchstaben die Inschrift „.o..s.tiiare.i.“ eingeritzt, die den ältesten Inschriftenfund in Slowenien darstellt. Dieser Fund verbindet Škocjan im 4. Jh. v. Chr. mit dem venetischen Raum Nordostitaliens und weist zugleich auf eine frühe Kenntnis der Schrift hin, die in jener Zeit hauptsächlich mit den Kulthandlungen im Zusammenhang stand.

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Das letzte vorchristliche Jahrtausend ist somit eine Zeit, die in Škocjan von hervorragenden archäologischen Funden gekennzeichnet ist, für die weder im slowenischen noch im breiteren Raum Vergleichbares zu finden ist. Diese Zeugnisse können weitgehend mit Kulthandlungen in Zusammenhang gebracht werden, die höchstwahrscheinlich die Triebkraft des Wohlstandes der Bevölkerung im Gebiet von Škocjan darstellten.
Unter den seltenen Funden ist eine Kaiser Augustus geweihte Inschrift in Škocjan und ein frühchristliches Christogramm aus der Tominčeva jama erwähnenswert.

Zusammengestellt von: Borut Peric, Samo Šturm


Quellen:
Turk, P. 2003, Arheologija, Park Škocjanske jame, Monografija, str. 44-44